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  Presseberichte
  Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 25.05.1982

Matinee mit Norbert Düchtel

Walcker-Orgel mal sinfonisch

 

(HJL) Eigentlich fordert die romantisch-opulente Anlage des Instruments dazu heraus: die Walcker-Orgel im Hans-Sachs-Haus läßt die Nutzung als "sinfonisches" Instrument ideal zu. So stellte sie der Regensburger Organist Norbert Düchtel, 33, in der gut besuchten Matinee vor. (Ein Jammer, daß diese Konzertreihe vorerst dem Rotstift zum Opfer fallen soll!)

Düchtels Visitenkarte als Virtuose: Max Regers Introduktion und Passacaglia op.63, drei Choralbearbeitungen von J.S. Bach, Joseph Rheinbergers Sonate Nr.4 und schließlich, als fulminantes Finale, Cesar Francks "Grand piece symphonique" op.17.

Gerade bei diesem letztgenannten Werk bewies der Ex-Schüler von Michael Schneider und Gerhard Weinberger Klangsinnlichkeit und Registerdelikatesse, romantisches Hineinhören in die Komposition und biegsame . Musikalität. Bei allem virtuosen Schwung - Düchtels Spiel besitzt Klangreinheit und strukturelle Linie. Verwischt wird keine einzige Note.

Ähnliches Musizierverständnis sprach auch aus Regers Passacaglia. Düchtel strebte die Balance zwischen romantischer Ausdeutung und analytischem Durchdringen an mit Erfolg. Schon hier fielen dis aparten, reich schattierten Registerfarben auf, mit denen Düchtel seine Interpretationen interessant und lebendig gestaltete.
Bei Bachs kargen Choralbearbeitungen aus Kantaten bewies er eine andere Qualität: die Beschränkung auf eine fein umspielte melodische Linie, deren "protestantische" Schlichtheit Düchtel plastisch modellierte. Dann der Umstieg zu der fröhlich-heilen "Orgelwelt." Rheinbergers - insgesamt ein mitreißendes Porträt eines Orgelvirtuosen, der sich brillant auf der Walcker-Orgel zurechtfand.

Störend und lästig nur die Zirp- und Quietschlaute der Bestuhlung (oder der Klimaanlage?). Hier muß etwas unternommen werden, soll der HSH-Saal weiterhin konzertant genutzt werden.

   

 

 

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