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  Presseberichte
  Buersche Zeitung, 24.10.1984

Sicheres Gespür für Instrument und Raum

Rudolf Innig an der Orgel des Hans-Sachs-Hauses

GELSENKIRCHEN. Es wird schwerfallen, bei dem reichhaltigen Angebot an Orgelkonzerten in hiesigen Kirchen weiteres Publikum für die umfangreich disponierte Walcker-Orgel des Hans-Sachs-Hauses zu gewinnen. Von der Sache her allerdings war die zurückhaltende Resonanz zum Auftakt einer neuen Reihe mit vier Orgelkonzerten im Hans-Sachs-Haus (der 8. und 29. November und der 6, Dezember sind die nächsten Termine) weniger begreiflich, musizierte doch ein hochqualifizierter Solist an den fünf Manualen des neuen Spieltisches.

Welch ein Jammer, daß monetäre Engpässe dieses graue Tuch hoch über dem Podium nicht haben verschwinden lassen können, um einem sehenswerten Prospekt Platz zu machen. An die Restauration einiger innerer Werte wagt man erst gar nicht zu glauben, so notwendig einige Stukturverbesserungen für das Klangbild des Plenums auch sein mögen.

Die spezifischen Stärken dieser Konzertorgel aufzuspüren (und deren gibt es viele), gehört mit zu den ersten Aufgaben eines Spielers, der ad hoc ein Programm erlesener Literatur vorstellen will. Rudolf Innigs Zugriff zu werkgerechten Farbwerten der Register legte sein sicheres Gespür für das notwendig enge Verhältnis von Komposition, Instrument und Raum offen.

Das Programm des Leiters der Musikschule Coesfeld entsprach mit vier Werken aus Romantik und Gegenwart der Veranlagung der Disposition. Johann Sebastian Bachs Fantasie und Fuge c-Moll war deshalb nicht gleich als Pflichtübung einzuordnen. Dem Könner gelingt auch mit weniger geeigneten Partituren stilistisch Gültiges. So auch diesem Interpreten, der das barocke Klangbild mit großer Präzision und Durchhörbarkeit ausstattete.

Der Griff zu den Bach-Verehrern war folgerichtig: Felix Mendelssohn-Bartholdys Sonate c-Moll erklang in dieser Tradition. Wunderschön, wie auch in den übrigen Werken gelangen die Registrierungen der gesanglichen Teile. Matthias Siedels (geb. 1929, Professor in Hamburg), „Te Deum" erklang erstmals 1981 im Altenburger Dom zur Weihe der neuen Orgel: ein hymnisches Werk, für Kathedralen angelegt. Seine Klanglichkeit verknüpft gregorianische Linearität, barockes Strukturieren und romantisches Färben mit zeitgenössischer Tonsetzung.

Olivier Messiaen setzt in der „Himmelfahrt" mit verblüffender Unmittelbarkeit theologische Aussagen in Musik um. Was theoretisch nicht gelingt, stimmt klingend. Im Hinblick auf die Merkmale des Instruments lag hier der Höhepunkt. Max Regers Fantasie und Fuge d-Moll faßte Tradition und Weg in die Neuzeit zusammen. Stimmig fügte sich die Vortragsfolge zum Ganzen.

Der Interpret ist ein Großer unter Seinesgleichen. Seine Spielkultur verfügt über umfassende Mittel, er deutet das Wesen der Musik.

Michael Beste

   

 

 

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